GESCHICHTE

Von Bach bis Hollywood
Zur Geschichte der Nürnberger Symphoniker

Orchesterbiografie (deutsch) als Download
orchestra biography in English as download
Orchesterfotos als Download / orchestra photos as download

Es ist eine Sensation, als im Februar 1993 in Los Angeles die begehrten “Grammy Awards" des Jahres 1992 verliehen werden. Denn neben Michael Jackson und den Berliner Philharmonikern unter Leonard Bernstein sind es die Nürnberger Symphoniker, die mit einem der golden schimmernden Trichtergrammophone ausgezeichnet werden – in der Kategorie "Best Pop Instrumental Performance" für ihre Aufnahme der Titelmelodie zur TV-Serie "Beauty and the Beast". Der Name der Nürnberger Symphoniker geht in jenen Tagen durch die internationale Presse und durch die Nachrichtensendungen und Kulturmagazine in der ganzen Welt.

Was die erstaunte Öffentlichkeit zum größten Teil nicht weiß, ist die Tatsache, dass die "Hollywood-Connection" der Nürnberger Symphoniker zu diesem Zeitpunkt bereits über vierzig Jahre besteht. Anfang der Fünfziger Jahre wird damit begonnen, Soundtracks für die Amerikaner einzuspielen – 1953 etwa die Filmmusik zu "Quo Vadis", 1959 die zu "Ben Hur".

Indes bildet und bildete die Produktion von Soundtracks nur eine Nebentätigkeit des Orchesters. Die Nürnberger Symphoniker sind und waren von Anfang an in erster Linie ein Konzertorchester, dessen Domäne auf dem Gebiet des klassischen Repertoires liegt. Ihr erstes Konzert geben sie kurz nach der "Stunde Null": Am 29. Juli 1945 führen sie in der Ruine der Nürnberger Sebalduskirche Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" auf. Der offizielle Gründungstag der Nürnberger Symphoniker wird dann der 1. Juni 1946.

Das Ensemble nennt sich damals noch Fränkisches Landesorchester; erst mit der Einweihung der Meistersingerhalle im Jahr 1963 wird die Umbenennung in Nürnberger Symphoniker erfolgen. 1949 wird Erich Kloss Chefdirigent. In dieser Position leitet er das Orchester bis zu seinem Tod 1967, also fast zwanzig Jahre, so lange wie bisher kein anderer. Unter Erich Kloss entwickelt sich das Ensemble auch zu einem Symphonieorchester von Rang, etabliert sich als feste Größe in der Orchesterlandschaft der Metropolregion.

 
Das Fränkische Landesorchester (die späteren Nürnberger Symphoniker) mit Erich Kloss am Pult im Jahr 1952. Damals nannten sich die Abonnementskonzerte des Orchesters noch "Volkskonzerte", und sie fanden – da die Meistersingerhalle noch nicht existierte – im Nürnberger Opernhaus statt.

Mit ihren bunten, abwechslungsreichen Abonnementkonzerten am Samstagabend und Sonntagnachmittag in der Meistersingerhalle versorgen die Nürnberger Symphoniker heute rund 3.000 Abonnenten. In der sommerlichen Open Air Saison von Juni bis August findet neben der beliebten Reihe der Serenadenhof-Konzerte auch Europas größtes Klassik Open Air im Luitpoldhain statt, das in den vergangenen Jahren jeweils über 50.000 Besucher begeisterte.

Hinzu kommen seit der Saison 2003/04 die Familienkonzerte „Klassik um 11“ (moderiert von Sabine Sauer, Herbert Feuerstein, Friedrich von Thun und Senta Berger)  sowie die adventlichen „Rathauskonzerte”, die nicht nur zum musikalisch-stimmungsvollen Ausklang eines Besuchs auf dem Christkindlesmarkt geeignet sind, sondern auch für die adäquate Einstimmung auf Weihnachten an sich. Darüber hinaus agieren die Nürnberger Symphoniker als das große Oratorienorchester Frankens und als Festspielorchester bei den Heidenheimer Opernfestspielen.

Im Bereich der musikalischen Bildung junger Menschen zeigen die Nürnberger Symphoniker ebenfalls Flagge. Mit ihren altersgerechten Kinder- und Jugendkonzerte führen sie alljährlich rund 8.000 junge Menschen - das Konzertpublikum der Zukunft - an Klassische Musik heran.

Auch bei Gastkonzerten und Auslandstourneen (u.a. in Antwerpen, Berlin, Mailand, Wien sowie Japan) sowie als Partner für Orchesteraufnahmen des Bayerischen Rundfunks-Studio Franken zeigen die Nürnberger Symphoniker immer wieder jene stilistische Flexibilität, die sie mit der Musik von Bach bis Hollywood seit ihrer Gründung immer wieder unter Beweis gestellt haben.

2006 konnten die Nürnberger Symphoniker ihren 60. Geburtstag feiern, der in einem Festkonzert und anschließendem Staatsempfang durch Staatsminister Dr. Thomas Goppel gebührend gefeiert wurde. Das Konzert wurde vom Bayerischen Rundfunk-Studio Franken im Programm „Bayern4Klassik“ live aus der Meistersingerhalle in Nürnberg übertragen.

Seit März 2008 freuen sich die Nürnberger Symphoniker über ihr neues Zuhause: Der Musiksaal in der Kongresshalle wurde am 6./7. März 2008 nach gut einjähriger Bauphase feierlich eröffnet. Nach einer 18-monatigen Zwischennutzung durch das Schauspielhaus steht der neue Musiksaal seit Januar 2011 dem Orchester wieder als Proben- und einem breiten Publikum nun auch als neuer Konzert- und Veranstaltungssaal zur Verfügung. Mit der Spielzeit 2011/12 startet dort die neue Veranstaltungsreihe SYMPHONIKER PLUS.

Seit September 2009 ist der junge Engländer Alexander Shelley Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling. Nach seinem Debüt am Pult der Meistersingerhalle titelte die Nürnberger Zeitung: „Shelley gibt jetzt den Ton an”. Seine mitreißenden, exzellenten Konzerte sind für Publikum und Orchester Höhepunkte der Konzertsaison. Der aus London stammende Shelley gehört zweifelsohne zu den kommenden Dirigenten internationalen Formats und wurde von der englischen Presse als „der aufregendste und begabteste junge Dirigent” bezeichnet. Trotz zunehmender internationaler Verpflichtungen verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2017.

 
Chronologie
1946
Gründung des Fränkischen Landesorchesters und des gleichnamigen Trägervereins
1949
Chefdirigent Erich Kloss
1963
Umbenennung in Nürnberger Symphoniker, Trägerverein wird Fränkisches Landesorchester e.V sowie Ausbau und Umzug in die Kongresshalle
1968
Chefdirigent Othmar Maga
1971
Chefdirigent Günter Neidlinger
1974
Chefdirigent Werner Andreas Albert
1980
Chefdirigent Klauspeter Seibel, Intendant Günter Einhaus
1989
Chefdirigent Georg Schmöhe
1994
Chefdirigent Thomas Gabrisch
1997
Chefdirigent Jac van Steen
2000
Intendant Ulrich Görg
2001
Gründung des Vereins Freunde und Förderer der Nürnberger Symphoniker e.V., 1. Vorsitzender Helmut Ruckriegel
2003
Intendant Lucius A. Hemmer
2005
Chefdirigent Bernhard Gueller
2008
Eröffnung Neuer Musiksaal in der Kongresshalle
2009
Chefdirigent Alexander Shelley

 

 
Die Nürnberger Symphoniker unter der Leitung von Erich Kloss bei der Schallplattenaufnahme von Richard Wagners "Siegfried-Idyll" im Todesjahr des Dirigenten 1967.

 

Zu den Highlights im Nürnberger Musikleben der Siebziger und Achtziger Jahre gehörten die "Gipfeltreffen" der Nürnberger Symphoniker mit dem Opernhaus-Orchester der Noris – hier bei der sensationsträchtigen Aufführung von Gustav Mahlers "Symphonie der Tausend" unter der Leitung von Nürnbergs langjährigem Generalmusikdirektor Hans Gierster im Juni 1977.
 
 

Der Musiksaal in der Kongresshalle wurde am 6./7. März 2008 nach gut einjähriger Bauphase feierlich mit Weltstar Giora Feidman eröffnet. Nach einer 18-monatigen Zwischennutzung durch das Schauspielhaus steht der neue Musiksaal seit Januar 2011 dem Orchester wieder als Proben- und einem breiten Publikum nun auch als neuer Konzert- und Veranstaltungssaal zur Verfügung.